Nur die eine Prognose ist nicht von Relevanz

Der Wunsch, die Zukunft vorhersehen zu können, ist so alt wie die Menschheit selbst und ähnlich unrealistisch. Allerdings ist eine realitätsnahe Einschätzung möglicher Zukünfte über die Methode des „Foresight“ tatsächlich möglich. Tanja Schindler, Foresight-Spezialistin und High Potential der Szene besticht durch die Verknüpfung wissenschaftlicher Methoden, gepaart mit einem hohen unternehmerischen Anspruch. Als Senior Consultant bei 4strat ebnet Sie mit dem Tool „Foresight Strategy Cockpit“ den Weg für eine schrittweise Digitalisierung der Disziplin des „Foresights“.

Lesen Sie im Gespräch, welche feinen Unterschiede Tanja Schindler zwischen Prognosen und Trends ausmacht und warum es sich lohnt, sich selbst und die Gesellschaft genau zu beobachten.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie über Zukunft nachdenken?

Wir können die Zukunft nicht voraussagen, aber wir können diverse Zukünfte als eine Art Landkarte aufzeigen, deren mögliche Pfade wir über die Zeit verfolgen können. Somit können wir den Weg der Zukunft auch aktiv beeinflussen, falls wir vom bevorzugten Pfad abweichen oder ein ungünstiger Pfad Realität zu werden droht. Durch das Erkunden verschiedener Zukünfte und das konstante Beobachten der Pfade kann man seine Strategien agil an der Zukunft ausrichten und Maßnahmen ergreifen, die die präferierte Zukunft begünstigen.

Haben Sie schon mal eine Fehleinschätzung abgegeben?

Ich fokussiere mich grundsätzlich nicht auf Zukunftsprognosen, sondern spiele mit einer Varianz an Szenarien und Zukunftsbildern. Unter diesen dürfen dann auch absurde Szenarien ihren Platz finden, um den Zukunftsraum möglichst weit zu dehnen. Ich gehe davon aus, dass die Zukunft nicht festgeschrieben, sondern aktiv beeinflussbar ist. Deshalb sehe ich die Zukunft auch eher als einen Mix der kreierten Szenarien, anstelle des Eintrittes eines speziellen Szenarios.

Bei welcher Prognose lagen Sie richtig?

Wie gesagt sind für mich gezielte Prognosen nachrangig. Es geht mir vielmehr darum, Trends und deren Verlauf zu analysieren, um so Muster zu identifizieren, die wir dann in die Zukunft projizieren. Indem wir Trends somit in ihrer Kombination bewerten, bekommen diese eine ganz neue Zukunftsbedeutung und unser Zukunftshorizont wird effektiv erweitert, wodurch sich neue Chancen eröffnen und Risiken demaskiert werden.

Was haben Trendforschung und unternehmerisches Denken gemeinsam?

Weil die Zyklen in denen wir Veränderung durchlaufen generell kürzer geworden sind, reicht es nicht mehr aus, “schnell” zu reagieren. Sowohl das unternehmerische Denken als auch die Zukunftsforschung oder auch Strategic Foresight genannt, versuchen daher, Komplexität und Unsicherheit in unserem Umfeld zu reduzieren, um so Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Das Beobachten der verschiedenen Zukunftspfade, sowie die fortlaufende Bewertung der abgeleiteten Strategien zeichnen für mich aktives Strategic Foresight aus und stellen damit hervorragende Tools und Methoden zur Verfügung, um unternehmerisches Denken in unsicheren Zeiten erfolgreich zu ermöglichen.

Wo sehen Sie unsere Gesellschaft in 20 Jahren?

Ich bin optimistisch, sofern es unserer Gesellschaft gelingt, alte Muster in unserem Bildungssystem und sozialen Strukturen zu durchbrechen und ganzheitliche Denkansätze sowie Nachhaltigkeit in unsere Weltbilder zu übernehmen. Zudem sehe ich Integral Futures, also Foresight nicht nur dazu zu benutzen unsere externe Umwelt zu erkunden, sondern auch unsere innersten Antriebe und Weltbilder zu verstehen, als notwendige Weiterentwicklung der Zukunftsforschung. Letztendlich sind wir es, die unsere Welt gestalten. Aber wenn wir uns und unsere Gesellschaft selbst nicht verstehen, wie sollen wir dann die Welt positiv verändern?


Tanja Schindler auf dem Future Expert Day 2017

Event: Future Expert Day, 16. November 2017

Location: Berlin, Humboldt Carré

Referent/in: Tanja Schindler – Die Corporate Foresight-Spezialistin

Vortrag: Future Pitch. Die Schlacht der Zukunfts-Methoden

Timeslot: 11.45 – 13.15 Uhr

Posted on 12. September 2017 in Allgemein

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